Neuerwerbungen
 
Apollon en dieu solaire

Apollon als Sonnengott, Brüssel, 1660

Le Déjeuner en plein air
Elsi Giauque
Féministe grise
Magdalena Abakanowicz
Abakan 29
Marika Szàraz
Mini 14
 

2010

Eine Supraporte aus der Wandteppich-Serie der Taten des Scipio Africanus
Die Neuerwerbung zeigt Apollon als Sonnengott und bereichert eines der herausragenden Ensembles der Sammlung Toms. Das Stück stammt aus der 39-teiligen Serie der Scipio-Wandbehänge, welche die punischen Kriege gegen Hannibal zum Thema haben. In Auftrag gegeben wurden sie von Marquis de Benavides um 1660. Die Stiftung besitzt bereits drei grosse historische Tapisserien dieser barocken Umsetzung des Zyklus, dessen ursprüngliche Fassung zu den berühmtesten Tapisserieserien der Renaissance gehört. Don Luis Francisco aus Benavides Carrillo de Toledo, Marquis von Caracena und von 1659-1664 Generalgouverneur der spanischen Niederlande besass nicht weniger als 141 Tapisserien. Seine Scipio Folge beinhaltete dabei nicht nur grossformatige Tapisserien, sondern auch kleinformatigere Stücke zur Ausschmückung der Wandbereiche zwischen den Fenstern und über den Türen.
 

2007-2008

Alte Tapisserien
Die letzte Tapisserie der Toms gelangt in die Sammlungen.
Reginald Toms hatte 1962 auf dem Londoner Kunstmarkt drei Stücke der englischen Wandteppichfolge Die Bacchanalen der Kinder erworben und zwei davon in Schloss Coinsins ausgestellt. Das dritte hing in der Wohnung, die dem Ehepaar Toms in Monaco gehörte, und war deshalb infolge des Testaments von Mary Toms von den beiden anderen abgesondert. Dank der Grosszügigkeit der Erben wurde dieser Wandteppich der Fondation geschenkt und ist nun wieder mit den Stücken der Sammlung vereint, zu denen er einst gehörte.

Textilkunst des 20. Jahrhunderts
Die Fondation erwarb zwei Werke von Elsi Giauque, der bedeutendsten Schweizer Textilkünstlerin des 20. Jahrhunderts: zwei Teile der Féministes (1977 im Rahmen der 8. Biennale de la Tapisserie in Lausanne ausgestellt) und Colonne argent (1980). Elsi Giauque hat die Biennalen durch ihre Kühnheit, Individualität, Sensibilität und technische Meisterschaft geprägt. Bereits 1945 entwarf sie einzigartige transparente Werke, die aus freien Kettfäden gearbeitet sind. Zwanzig Jahre vor dem Beginn der neuen Textilkunst erfand sie auf diese Weise einen persönlichen Stil, der auf internationaler Ebene erst um 1960 Anerkennung fand.

Von der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz erwarb die Fondation Abakan 29 (1968) und Le Roux (1966-67). Mit dem Sisal entdeckte Magdalena Abakanowicz das Material, um biegsame dreidimensionale Werke zu schaffen. Sie begann mit Reliefs, die durch Schlitze und Auswüchse gekennzeichnet sind, und präsentierte 1969 an der Biennale Internationale de la Tapisserie in Lausanne ein «Abakan», das Aufsehen erregte. Die «Abakan» sind raumgreifende Textilobjekte, die durch ihre Kraft, Erfindungsgabe und Innovation beeindrucken. Mit dreissig Stücken verfügt die Fondation über das grösste Ensemble von Textilwerken dieser international anerkannten Künstlerin.

Von den Erben der Schweizer Künstlerin Marlise Staehelin erhielt die Fondation Elément noir et blanc (1972) und Colonne blanche (um 1970). Marlise Staehelin schuf organische Formen mit Hilfe der Sumaktechnik. Dabei wird der Faden um die Kette geschlungen; dank Leinenfasern, die als Verbindung dienen, verformt sich der Stoff nicht und bleibt flach. Durch den Verzicht auf den Schuss erzielte die Künstlerin plastische Effekte und vergrösserte die Geschmeidigkeit ihrer Arbeiten.

Die ungarische Künstlerin Marika Szàraz schenkte der Fondation eine Mini-Textilarbeit: Mini 14 (2004). Die seit 1975 in Brüssel ansässige Künstlerin hat auf einem Hochwebstuhl eine persönliche Technik entwickelt, die sie mit einem nach ihrem Namen geschaffenen Neologismus szama nennt. Ihre Kompositionen sind einfach, streng und hauptsächlich auf die Linie ausgerichtet.
     
© Fondation Toms Pauli